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Langfristig mit weniger Stress arbeiten – Extreme Ownership

Langfristig mit weniger Stress arbeiten – Extreme Ownership
Langfristig mit weniger Stress arbeiten – Extreme Ownership
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Langfristig mit weniger Stress arbeiten – Extreme Ownership (Gastartikel)

Extreme Ownership – Bist Du auch manchmal genervt von einigen Aspekten der Selbständigkeit? Wenn Dinge nicht so laufen, wie sie sollten? Wenn andere Menschen nicht so reagieren, wie sie sollten?

Wie wäre es mit einer Herangehensweise, die diese Art von Stress eliminiert und stattdessen eine andere Art von Stress erzeugt, die Dich langfristig erfüllt und glücklich machen kann?

Ich erkläre das Konzept, liefere ein paar Beispiele aus meiner eigenen Anwendung und zeige die häufigsten Missverständnisse und Fallen.

Dies ist ein Gastartikel von Alexander Meneikis von Vertriebscontroller.com

 

Ein sehr altes Konzept, das schon vielen gedient hat

Eine solche Herangehensweise, die Stress transformiert, ist das Konzept des Extreme Ownership.

Mir selbst ist das Prinzip 1995-98 während meiner Coaching-Ausbildung bei BERNSTEIN Trainings begegnet.

In 2015 wurde das Extreme Ownership populär gemacht durch Jocko Willink und Leif Babin, die gemeinsam ein Bestseller Buch* mit gleichnamigem Titel verfasst haben. Die beiden sind US Navy Seals und haben den Ansatz vor allem bei der Ausbildung militärischer Führungskräfte gebraucht.

Nach Ende ihrer Dienstzeit gründeten sie eine Unternehmensberatung. Bei ihren Beratungen vermitteln sie als einen Schwerpunkt den Ansatz des Extreme Ownership.

 

Grundsätzliche Idee ist, dass die Führungskraft für alle Aspekte einer Mission, die sie leitet, verantwortlich ist. Ebenso ist der Unternehmer für alles verantwortlich, was in seinem Unternehmen geschieht, das er beeinflussen kann – insbesondere für das Verhalten seiner Mitarbeiter.

 

Natürlich kann man nicht absolut alles beeinflussen, wie etwa die Gravitation oder das Wetter. Aber als Unternehmer, als Dienstleister, als Dozent, kann ich sehr viele Faktoren beeinflussen.

Ich kann beeinflussen, wie ich auftrete und wie ich mit meinem Umfeld kommuniziere. Ich kann beeinflussen, wie ich als Unternehmer meine Prozesse gestalte.

Willink und Babin machten über mehrere Jahre hinweg die Erfahrung, dass diejenigen, die Verantwortung übernahmen, auch wenn es unbequem war, langfristig bessere Ergebnisse lieferten als diejenigen, die im Beschuldigen Anderer verharrten oder schlicht Probleme ignorierten.

 

Übertreibung kann auch mal nützen

Wie gesagt, es ist ganz klar, dass ich nicht wirklich alles beeinflussen kann.

Willink und Babin sind aber bereit, sehr weit reichende Verantwortung zu übernehmen.

Jocko Willink beschreibt einen Kriegseinsatz, in dem deutlich erkennbar ist, dass andere Leute haufenweise Fehler gemacht haben. Der Einsatz läuft übel schief, ein Verbündeter wird erschossen, einer von Willinks Kollegen wird verwundet.

Willink könnte die Schuld auf andere schieben, um selbst gut dazustehen.

Stattdessen eignet er sich alle Aspekte der Verantwortung an, da er der Commander der Operation ist.

Der Funker hat Koordinaten nicht weitergegeben? -> Weil er als Commander ihm dies nicht klar befohlen hat.

Taktische Bewegungen wurden nicht abgesprochen? -> Weil er als Commander dies nicht vorher abgestimmt hat.

 

Auf den ersten Blick mag dies übertrieben erscheinen.

 

Willink übernimmt vor seinen Gefolgsleuten und vor seinen Vorgesetzten die volle Verantwortung für das Scheitern der Operation und riskiert somit, von seinem Posten enthoben zu werden.

Das passiert nicht. Seine Gefolgsleute machen sich ihren Anteil der Verantwortung zu eigen, die Vorgesetzten respektieren sein Verantwortungsbewusstsein. Willink behält seinen Posten.

Wenn Du wirklich, tatsächlich, Verantwortung übernimmst und nicht nur so tust, dann werden auch Deine Mitarbeiter Verantwortung für ihren Teil übernehmen. Vielleicht sogar Deine Kunden und Lieferanten, die zu Problemen beigetragen haben.

 

Ja, und es wird solche geben, die es nicht begreifen und weiterhin hinterrücks agieren, die herumjammern und andere beschuldigen.

Willst Du wegen denen lieber schlechtere Ergebnisse haben?

 

Das tendenziell übertriebene Übernehmen von Verantwortung führt auch dazu, dass ich mehr Handlungsmöglichkeiten sehe.

Wenn ich mit der Einstellung an eine Situation gehe, dass ich verantwortlich bin, ändert sich meine Wahrnehmung. Ich sehe mehr Möglichkeiten zum Eingreifen. Und diese Handlungsmöglichkeiten kann ich dann auch ausüben.

(Davon unberührt bleibt, dass es einige Situationen gibt, wo Nicht-Handeln klüger ist.)

Langfristig mit weniger Stress arbeiten – Extreme Ownership

Beispiele für Extreme Ownership in Action

Ich habe das Prinzip des Extreme Ownership vor allem in meiner Tätigkeit als Wirtschaftsdozent zum Einsatz gebracht.

Ein paar Dinge haben mich kolossal genervt. Dann habe ich als Dozent dafür Verantwortung übernommen und mich gefragt, was ich an dieser Stelle aktiv tun oder lassen kann. Die Antworten, die ich mir selbst darauf gegeben habe, habe ich umgesetzt. Meistens hat das eine Verbesserung bewirkt.

Unruhe entsteht aus mangelnder Klarheit

Durcheinander redende Teilnehmer, während ich versuche, etwas zu erklären. Wie im Kindergarten,oder?

So fragte ich mich, aus welcher Sache, die ich tue oder lasse, entsteht ein Großteil der Unruhe?

An welchen Stellen erzeuge ich Unsicherheit und Unklarheit? Erkläre ich nicht deutlich genug? Bin ich zu schnell?

So fing ich an, Themen öfter zu wiederholen, langsamer zu sprechen, mehr Zwischenschritte einzufügen, öfter nachzufragen, mehr Skripte mit Übersichten zu verteilen.

Vor allem achtete ich mehr darauf, wann es den Teilnehmern zu viel wurde und wann sie zu wenig Input bekamen.

Die Unruhe ließ deutlich nach.

Ein Teilnehmer brachte mir ein silbernes Glöckchen, das einen freundlichen, leisen, leicht schrillen Ton produzierte. Wenn ich die Aufmerksamkeit der Teilnehmer brauchte für eine Erklärung, läutete ich das Glöckchen.

Da die Teilnehmer in diesem Kurs die Erfahrung gemacht hatten, dass ich auf sie achtete, waren sie beim Läuten auch bereit, auf mich zu achten.

Wäre ich auf diese Ideen gekommen, wenn ich dabei stehengeblieben wäre, die Teilnehmer zu verurteilen? Wohl nicht.

 

Wer von hinten angreift, traut sich nicht von vorne

In meinen Kursen frage ich regelmäßig nach Kritik. Anfänglich starrten immer nur alle vor sich hin und sagten nichts.

Hinter meinem Rücken beschwerten sie sich dann über dies und jenes.

Nicht gerade integer, oder?

Offenbar sind viele Menschen extrem stark darauf konditioniert, nicht offen zu kritisieren. Das scheint extrem angstbesetzt zu sein. Jedenfalls weniger angstbesetzt als hinterrücks zu beschuldigen.

So fragte ich mich, wie kann ich das reduzieren?

Wahrscheinlich, indem ich den Teilnehmern Mut mache und ihnen auch zeige, dass sie selbst etwas davon haben, wenn sie konstruktiv kritisieren.

Ich ermutigte die Teilnehmer mehrfach, offen zu kritisieren und war dabei so offen und freundlich, wie es mir möglich war.

So nach und nach kamen auch unangenehme Feedbacks, wenn etwas nicht passte. Manchmal kamen auch konstruktive Vorschläge.

Je mehr die Teilnehmer dann sahen, dass ich mich ernsthaft mit ihrem Feedback auseinandersetze und sinnvolle Vorschläge auch umsetze, desto mehr konstruktive Vorschläge kamen.

Seitdem erlebe ich deutlich weniger Attacken von hinten. Ein paar gibt es immer noch (Stand: Juli 2016), aber sehr viel weniger als früher.

Hätte ich das geschafft, wenn ich dabei stehengeblieben wäre, die Teilnehmer abzuwerten?

 

Immer die gleichen Fehler

Warum machen die Leute immer und immer wieder die gleichen Fehler? Habe ich ihnen das nicht schon zwanzigmal gesagt?

Die verstehen ziemlich langsam, oder?

So fragte ich mich, wie kann ich das reduzieren? Schließlich will ich ja auch, dass die Teilnehmer etwas lernen und fitter werden.

Zum einen, zwanzig Mal reicht oft nicht.

Und manchmal ist es besser, wenn ich einen Sachverhalt nicht nur erkläre, sondern auch, wie wichtig er ist und warum.

Ich schreibe Zwischen-Tests und wiederhole gezielt die Punkte, die noch nicht so zielsicher beantwortet wurden.

Die Wiederholungsfehler sind deutlich weniger geworden.

Wäre das so gelaufen, wenn ich dabei stehengeblieben wäre, mich über die Teilnehmer zu ärgern?

 

 

Wie kann ich Extreme Ownership falsch anwenden?

Was könnte bei der Anwendung des Konzeptes schief laufen oder missverstanden werden?

 

Verantwortung mit Schuld verwechseln

Ein Irrtum, der häufig begangen wird ist, Verantwortung mit Schuld zu verwechseln.

„Aber daran bin ich doch nicht schuld!“

Schuld ist passiv, Verantwortung ist aktiv.

Ja, manche Dinge kann ich nicht beeinflussen. Wenn das Wetter schlecht ist, kann ich das nicht ändern. Ich kann aber beeinflussen, wie ich darauf reagiere.

Wenn ein Kunde pleite geht, kann ich das wahrscheinlich auch nicht beeinflussen. Ich kann aber künftige Kunden genauer anschauen und kann Risiken einkalkulieren, sofern ich das noch nicht getan habe.

Wenn ich darauf beharre, Schuld hin- und herzuschieben, bin ich als Unternehmer sowieso nicht geeignet. Eher als Top-Manager, vielleicht in der Automobil-Branche, höhöhö…

 

Alles auf einmal lösen wollen

Ich habe also erkannt, dass ich sehr viele Aspekte meines Umfeldes und meines Unternehmens beeinflussen kann.

Kann ich alle davon auf einmal bearbeiten?

Wahrscheinlich nicht.

Also gehe ich die Dinge schrittweise an, eines nach dem anderen.

 

 

Zwischendurch wird man wahnsinnig

Wie mein großer Held Walter Giller regelmäßig sagte: „Es bleibt eben schwierig.“

Ja, das bleibt es. Das ändert sich auch nicht.

Und immer wieder tauchen Phänomene auf, die ich nicht erklären kann und zu denen ich erstmal keinen Zugang habe.

Dann erweitere ich meinen Horizont, und irgendwann erhalte ich Zugang dazu oder auch nicht, und es fällt mir etwas ein oder auch nicht. Irgendwie wird das Problem gelöst oder es verschwindet oder es bleibt.

Nach meiner Erfahrung läuft es sowieso nicht so, dass ich ein Problem löse und dann läuft alles. Nach meiner Erfahrung löse ich ein Problem und bekomme dafür ein größeres Problem.

Frei nach Buddha: „Zuerst ist Dein Problem, dass Du nicht erleuchtet bist. Danach ist Dein Problem, dass Du erleuchtet bist.“

 

 

Fazit

Je mehr Verantwortung ich realistisch übernehme, desto größer wird mein Einflussbereich.

Desto mehr verantwortungsbereite Menschen ziehe ich an. Und mit denen gemeinsam erzielt man oft erfreuliche Ergebnisse.

Meine Wahrnehmung wird weiter, meine Motivation zum Handeln wird stärker.

Löst es alle Probleme? Nein. Es bringt größere Probleme. Und damit größere Belohnungen.

 

 

Bildnachweis: www.pixabay.com | skeeze | #662863

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Alexander Meneikis

Alexander Meneikis

Alexander Meneikis, Jahrgang 1969, Betriebswirt, Controller, Autor.

Nicht verheiratet, aber anteilig domestiziert. Hobby-Musiker und lesesüchtig.
Alexander Meneikis

12 Kommentare zu Langfristig mit weniger Stress arbeiten – Extreme Ownership

  1. Ja, das ist eine tolle Idee, dass jeder mal schaut, was er machen kann und was nicht, wenn das alle machen würden, würde es allen Besser gehen. Danke für die Beispiele.

  2. Sehr hochwertiger Artikel + Podcast! Stress in der Arbeit, als auch im Privatleben können sich sehr negativ auf die eigene Gesundheit auswirken. Nicht nur auf die Gesundheit, auch auf Beziehungen innerhalb als auch ausserhalb der Familie. Der Artikel bietet einen guten Mehrwert für all diejenigen die mit einem stressigen Alltag zu kämpfen haben. Vielen Dank dafür!

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Frank Albers

Ich bin Frank Albers

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