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Negative Gefühle

Negative Gefühle

Negative Gefühle (Gastartikel)

Negative Gefühle umwandeln oder doch lieber zulassen? Die Liste negativer Gefühle, mit denen wir zu kämpfen haben ist lang. Dario Reis erklärt uns in seinem Gastartikel, warum wir negative Gedanken und Gefühle zulassen und nutzen sollten.
Sich schlecht fühlen nervt. Besonders in unserer Welt, die so viel von Socialmedia und Werbung beeinflusst wird. Gerade auf Facebook, Instagram, Pinterest und wie sie alle heißen versuchen wir ein Bild davon abzugeben, dass wir ständig glücklich sind und tolle Dinge erleben.

Weil wir aber alle Menschen sind, haben wir trotzdem von Zeit zu Zeit auch mal Phasen in denen wir uns schlecht fühlen. Das ist auch gut so, denn die schlechten Phasen können uns helfen insgesamt glücklicher zu werden. Komisch oder?

 

Negative Gefühle

In unserer Gesellschaft wird oft gesagt: „Denk positiv!“ Wer negative Gefühle hat ist ein Miesepeter, langweilig, wird schneller krank usw. Es ist auch kein Geheimnis, dass Depression zu den Top fünf der Volkskrankheiten in Deutschland zählt. Dabei liegt das nicht direkt an den negativen Gedanken, dass wir krank oder depressiv werden. Es liegt eher daran, dass wir dem Unbehagen das wir fühlen keine Beachtung schenken.

Denn wir wollen negative Gefühle mit allen Mitteln vermeiden und wollen sie schon gar nicht nach außen zeigen. Denn so sehen andere, dass wir verletzlich sind und auch nicht immer zu hundert Prozent „funktionieren“. Genau das wird oft als Schwäche angesehen. Dabei ist es keine Schwäche, sondern eine Stärke. Denn unsere Gefühle sind ein Signal für uns, das uns helfen soll glücklicher zu leben.

Laut dem bekannten Psychologen Jonathan Adler haben negative Emotionen eigentlich den Sinn, dass sie uns vor bedrohlichen, im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlichen Situationen warnen sollen. Wie z.B. Krankheiten, Beziehungsproblemen oder andere wichtige Bereiche, die unsere Aufmerksamkeit benötigen. Der Punkt, dass negative Emotionen uns im schlimmsten Fall vor lebensbedrohlichen Situationen warnen sollen ist wie ich finde, ein klares Zeichen dafür, dass es absolut schädlich ist diese Gefühle zu unterdrücken.

 

 

Negative Gefühle machen aufmerksam

Wenn wir uns gut fühlen, sind wir fröhlich und in einer sicheren Umgebung. Dadurch, dass wir uns so gut fühlen, nehmen wir potentielle Bedrohungen nicht so wahr. Überlege mal, wie es war, als du so richtig glücklich warst. Du warst vermutlich ziemlich überschwänglich und einfach alles war toll. In diesem Zustand ist unser Blick einfach nicht mehr so geschärft.

Wenn wir dagegen traurig oder wütend sind, schärfen sich unsere Sinne. Denn schlechte Laune bedeutet oft, dass die Situation uns herausfordert bzw. Überfordert. Das bedeutet im Gegenzug aber auch, dass wir aufmerksamer gegenüber neuen Informationen sind. Denn wir müssen eine neue effektivere Herangehensweise finden oder entwickeln, um die neue unangenehme Situation zu meistern.

Dadurch, dass wir mehr mitkriegen, finden wir auch eher neue Wege, die wir vorher gar nicht wahrgenommen haben. Also ist der eigentliche Sinn von negativen Gefühlen, dass du ein Problem genauer erkennst und eine Lösung dafür findest. Im Grunde sollen negative Emotionen unseren inneren „Problemlöser“ wach rütteln.

 

Negative Gefühle – Erkenne das Signal

Wenn wir uns sagen: „Denk positiv“ kann das in gewissem Maße hilfreich sein. Es kann aber auch das Gegenteil bewirken. Wenn wir beispielsweise Stress auf der Arbeit haben sagen wir uns: „Ach das wird nur von kurzer Dauer sein“ kann es passieren, dass wir uns  das nur einreden. In Wirklichkeit wird es gar nicht besser und wir rutschen langsam in eine Abwärtsspirale.

Das Erste, was ich mache wenn es mir schlecht geht, ist zu identifizieren, warum es mir schlecht geht. Das geht nicht immer sofort. Manchmal bin ich noch zu nahe an dem Geschehen dran, was mich aufgewühlt hat. Deswegen versuche ich etwas Abstand zu gewinnen. Wenn ich das geschafft habe, versuche ich herauszufinden, warum ich gestresst, traurig oder was auch immer bin.

Wir haben nicht zufällig schlechte Laune. Wir sind schlecht drauf, weil in Vergangenheit etwas passiert ist oder weil in der Zukunft etwas passieren wird, was uns in diesen Zustand versetzt hat. Ob das etwas Externes verursacht hat, also z.B. ein Streit in deiner Beziehung oder ob es etwas Internes ist, wie dass du traurig bist, weil du Selbstzweifel hast, spielt keine Rolle.

Unser Körper oder Bewusstsein will uns mit unseren Emotionen, positive wie negative, etwas sagen. Es will uns in eine Richtung lenken. Weil wir negative Gefühle aber mit allen Mitteln versuchen zu ignorieren oder noch schlimmer sie zu vermeiden, haben wir verlernt, sie richtig zu fühlen.

Überlege genau warum du wütend bist. Die Wut ist ein Signal. Es soll dich leiten und dir aufweisen, was du als nächstes tun sollst. Negative Gefühlen haben eigentlich die Aufgabe den Problemlöser in uns zu wecken.

 

Negative Gefühle – Lerne Gefühle wieder zu fühlen

Es ist ähnlich wie der Spruch „ohne Licht kein Schatten“. Ohne positive Gefühle gibt es auch keine negativen. Das ist auch gut so, denn wofür sollen wir dankbar sein, wenn wir gar nicht wissen, wie sie schlechte Zeiten anfühlen?

Es muss beide Gefühle geben. Das Problem, was ich nur allzu oft sehe ist, dass viele Leute die sich ihre negativen Gefühle verkneifen oft auch ihre positiven Gefühle nicht richtig rauslassen. Gefühle zu empfinden ist eine Fähigkeit, die wir trainieren können. Wie bei einem Muskel können wir das auch wieder verlernen. Ganz nach dem Motto: „Use it or lose it“

Spiegeln

Wie lernt man am besten Gefühle wieder zu fühlen? Die meiner Meinung nach beste Methode ist, indem man versucht sich in andere hineinzuversetzen. Warum in Andere und nicht in einen selbst? Weil ich von mir selbst und  anderen kenne, dass man an seinen eigenen Gefühlen zu nah dran ist. Du kennst sicherlich das Phänomen, dass man eher die Fehler bei jemand anderem sieht, als bei sich selbst. Genau das Gleiche trifft auch auf Gefühle zu. Am einfachsten versetzt man sich in andere in dem man sie spiegelt.

Das bedeutet, dass du dir die Körperhaltung von einer beliebigen Person anschaust und diese Haltung annimmst. Unsere Körperhaltung hängt unmittelbar mit unserer Gefühlslage zusammen. Was denkst du, wenn jemand mit hängenden Schultern vor dir steht? Genau – dass derjenige traurig ist, kein Selbstbewusstsein hat oder gelangweilt ist. Wenn dagegen jemand vor dir steht, der aufrecht steht, denkst du dir, dass er selbstbewusst ist und aufmerksam die Welt wahrnimmt. Das ist übrigens auch eine Technik, die FBI Ermittler benutzen, wenn sie eine Videoaufzeichnung von einem Täter haben. Sie stellen die Situation nach und nehmen exakt die gleiche Körperhaltung wie der Täter ein.

Wenn du das eine Zeit lang machst weitet sich dein Bewusstsein und du merkst selber, wenn du eine „geknickte“ Körperhaltung einnimmst.

 

Negative Gefühle

Was für Erfahrungen hast du mit negativen Gefühlen? Findest du sie eher hilfreich oder lästig?

 

 

Lesetipp zum Thema*:

 

 

 

 

 

 

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Bildnachweis: www.pixabay.com | #1247177 | Urheber: Alexas_Fotos-686414

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